Musikerinnen packen aus
von BarbaraLady Gaga, Beth Ditto, M.I.A und natürlich Madonna – Popmusik scheint in weiblicher Hand. Doch können Frauen im Musikbusiness wirklich mitreden? Das amerikanische National Public Radio hat über 700 Musikerinnen gebeten, einen Bogen mit 18 Fragen zu ihrer Situation auszufüllen.
“a female musician needs to rely on her sexual power more heavily than she needs to rely on her musical ability – I’d say those factors are reversed for a male musician” Libbie Schrader, 30, aus New York
Das ist der Unterschied zwischen einer Musikerin und einem Musiker. Besser gesagt, es ist ein Unterschied. Die Studie “Hey Ladies. Being a Woman today”, die der öffentlich-rechtliche Hörfunk der USA, National Public Radio, gerade veröffentlicht hat, zeigt noch andere Situationen, in denen einer Musikerin bewusst wird, dass sie weiblich ist. Und vor allem dann, wenn alle um sie herum männlich sind, merkt sie oft, dass weiblich häufig gleichzusetzen ist mit benachteiligt.
“Being a female college conductor is a lonely place. Almost all successful conductors I know are men, and many universities buy into the stigma that if they want a “high class” music program, they need a tall, distinguished looking gentleman in a tux to lead their ensembles. Unfortunately, the general public still sees women as directors of children’s choirs or amateur volunteer groups only.” Abby Musgrove, 31, aus Illinois
“I still find it difficult, though, making initial contacts with (almost always) male club owners and bookers. The sexism that’s inherent in these unequal negotiation situations always seeps through.” Christiana Drapkin, 50, aus Maryland
“Things as simple as outsiders looking to John when asking a question (even though he and I were equal partners in the band, splitting songwriting and all other duties right down the middle) — those were indicative of disparate treatment. ” Laura Burhenn, 29, aus Nebraska
Die gute Nachricht ist: Früher war es für eine Frau noch anstrengender, als Musikerin zu arbeiten. Besonders, wenn sie Ambitionen als Instrumentalistin hatte. Heute gibt es immer noch sehr viele Sängerinnen, daneben sind aber auch Frauen, die Bass, Gitarre oder Schlagzeug spielen, Musik produzieren oder komponieren. Dabei ist auch das Selbstverständnis des Berufes “Musikerin” gewachsen.
“Back in the late 80′s early 90′s we would walk into the club with the other people in the band and it was assumed by the people who worked there that we were either “just the girlfriends” or “groupies” and some comment would be made at some point that alerted us to that. Also any technical opinions we might have had were sometimes dismissed by people who did not know us. I think it is a lot better these days, it seems like it is far less unusual for there to be women in punk rock bands and bands in general now. When I tell people I am in a band now, I still do occasionally get immediately asked if i am the singer. People assume that if you are a woman, you are going to be that one.” Laura Balance, 42, aus North-Carolina
“Women don’t have the same doubts and fears that were there in my generation, they’re educated (thanks to programs at the university level which are now available, because of teachers like me who developed them), and many more are playing sax, drums, trumpet (Ingrid Jensen is a great role model) and the traditionally male instruments.” Judy Niemack, 56, aus Berlin
“women over the last century had to be more serious in order to be recognized, and we may not be quite as intense as those who came before us, because we haven’t had to be. I get to ride on the shoulders of jazz pianist Mary Lou Williams, bassist Carol Kaye, and film composer Shirley Walker, in the same way that the feminists who came before me allow me to be more relaxed about my right to equality and self-determinism” Lili Haydn, Ende 30, aus Kalifornien
Wer möchte, dass die Gleichberechtigung künftig auch im Musikbusiness ein Zuhause findet, darf die Hände nicht in den Schoß legen. Deswegen und damit diese Studie in 25 Jahren noch etwas anders aussehen kann als heute, geben die befragten Musikerinnen Ratschläge.
“Be yourself and try to ignore that you are in a male dominant industry. There is usually a woman around the corner that you can talk to and most of the time they are happy to talk to you.)” Lóa Hlín, 31, aus Island
“get out on the internet. Don’t wait for permission to get your music in front of people. And ASK. Keep asking for what you want until you get it. “No” just means “no for now.” Don’t give up if this is really what you want to do. Be unstoppable.” Alyse Black, 29, aus Texas
“Learn as much as you can, do as much as you can for yourself, wear as many hats as you can, keep your backstage ego in check, and learn how to produce. Be responsible to your art and be the best person you can be.” Lauren Morris, 48, aus Kalifornien
P.S.:
“Gründe mit Freundinnen eine Musikgruppe. Überleg dir eine Antwort auf die “Ausziehen”-Schreie des Publikums. Und behalte beim Soundcheck unbedingt einen kühlen Kopf. Nörgelt der Tontechniker, mach ihn freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam, dass er nur der Mischer im Dunkeln, du aber der Star auf der Bühne bist.” Barbara Streidl, 37, aus München
Dieser Text ist bereits im Bayerischen Rundfunk / Zündfunk erschienen.
Facebook | | Tags: Feministinnen, Haltung statt Posen, Musik, Popkultur
Eintrag geschrieben: Freitag, 27. August 2010 um 12:53 Uhr unter 1a-Schnecken, Alltag, Guter Tand, Im Musikbusiness, Kultur, Studien. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







“a female musician needs to rely on her sexual power more heavily than she needs to rely on her musical ability”
Genau das ist für mich selbst als (männlicher) Musiker ein Grund, den ganzen Mainstream nicht mehr ernst zu nehmen. Schaut man sich in der Glotze einen Auftritt an, dann geht es nur noch um die Show, nur noch um Körper, auch bei den Männern, vor allem aber bei den Frauen. Mir wäre es lieber, wenn es ganz generell wieder um die Musik ginge.
Ich spiele viel auf Sessions und leider sind Frauen dort total rar. Auf 100 Männer kommen vielleicht 5 Frauen, und die spielen wie selbstverständlich Geige oder singen. Es fängt also schon im Kleinen an, in einer Kleinstadt auf der Jam-Session.
Ich hätte das Verhältnis gerne mehr so Richtung 50:50, dann wäre auch das Klima besser. Männervereine sind selten wirklich sympathisch.
“Ich spiele viel auf Sessions und leider sind Frauen dort total rar.”
Nicht doch, ich seh und höre immer viele Mädels kreischen – bei Tokyo Hotel.
@Tammara: Tokio Hotel machen ja auch keine Sessions. :-)
Ansonsten ist ja schon klar, dass ich auf der Bühne meinte, nicht davor. :-)
Keine Sessions?
Nun, die Kommentare zum Thema halten sich ja auch in Grenzen. Vielleicht mögen Mädels einfach nicht jammen. Die Schuld hierfür wieder überall nur nicht bei den Mädls selbst zu suchen, scheint mir allerdings wieder symptomatisch.
tammara, die mädels sind da natürlich nicht dran schuld. das ist doch logisch. es wird doch mit ihnen gemacht. sie können da gar nicht selbst handeln. weiß du eigentlich, wie schwer es ist, als mädchen etwas anderes als flöte oder geige spielen zu lernen? es wird ihnen regelrecht verwehrt. die jungs lernen alle tollen instrumente spielen und für die mädchen sind keine plätze mehr da. dort fängt nämlich die gläserne decke an!
Ich denke, hier wirken noch eine Menge Stereotype. Eine Frau mit einer Tuba entspricht vielleicht nicht dem Erwartungsbild.
Meine Tochter musste sich vor ein paar Jahren auch in der Schule anhören, als ich ihr zeigte wie man Papierschwalben baut die auch wirklich segeln “Das machen Mädchen doch nicht!”
Ich bin auch der Auffassung, hier wirken noch eine Unmenge triefender Klischees wie z.B. blau für Jungs, rosa für Mädchen, und das im Kinderwagen.
S. auch z.B. das Positionspapier des Frauenrates 11/2009.
Meine Tochter spielt z.B. Akkordeon.
Ich würde empfehlen, sich lachend über Konventionen hinwegzusetzen, homorvoll provokant zu sein und zu spielen, was Spaß macht. Wem es gefällt, dann ist es gut, wem es nicht gefällt, hat eben Pech gehabt.
“Überleg dir eine Antwort auf die “Ausziehen”-Schreie des Publikums.”
Ich bin der Meinung, hier sollten die Rausschmeißer aktiv werden.
In den 70`er und 80èr war es irgendwie normaler, denke ich manchmal :
Suzi Quattro, Gianna Nannini, Tina Turner u.a.
http://de.wikipedia.org/wiki/Suzi_Quatro
http://www.morgenpost.de/printarchiv/leute/article1316392/Ich-bereue-noch-heute-dass-ich-Elvis-versetzt-habe.html
“Hatten Sie Vorbilder?
Suzi Quatro: Nein. Es gab damals keine ernst zu nehmende Rock ‘n’ Roll-Bassistin. Es gibt inzwischen gute Frauenbands oder weibliche Rockstars. Ich liebe zum Beispiel Pink mit ihrer Bühnen-Energie. Aber es geht alles eher in Richtung “Girlie”-Rock, ohne das schlechtmachen zu wollen.”
Es wäre schön, hier wieder mehr in dieserv Richtung zu hören/sehen.
“Gründe mit Freundinnen eine Musikgruppe.”
Ein paar Hinweise sind auch hier zu lesen :
http://alternative-indie.suite101.de/article.cfm/riot_girls
“Die Präsenz dieser Bands sowohl in Mainstream-Presse als auch in alternativen Publikationen zeigte den immer selbstverständlicheren Zugang junger Frauen zu den rebellischen Möglichkeiten der Subkultur im Rock und vor allem Punk. Sie ergriffen diese Möglichkeiten öffentlicher Darstellung, Artikulation individueller und kollektiver Geschlechtsidentität selbstbewusst, um gegen Normen und Erwartungen zu verstoßen (zumindest für Frauen der weißen Mittelklasse.”
“Frauenrock entstand zur Glamrockzeit, der Androgynität und Ambiguisierung von Geschlechtszugehörigkeit (gender bending): das führte jedoch im allgemeinen nicht zu einer größeren Freiheit von Sexualität und Weiblichkeit, im Gegenteil, das Konzept der unangetasteten essentiellen Weiblichkeit ermöglicht erst Männern die Experimente mit Geschlechtsidentität. Frauen wurden dann einer der Jungs, konnten nur so in den Diskurs eindringen.”
Als Frau in der, doch seeeehr männlich dominierten, Rapszene, hatte ich mit offener sexuell begründeter Diskriminierung bis jetzt erstaunlich wenig zu tun.
Unterhaltsam jedoch immer wieder, wenn ich mit “meinen Jungs” unterwegs bin, wenn es um Fragen zur Aufnahmetechnik oä geht, wird sich grundsätzlich zunächst an die Kerle in der Gruppe gewandt, die Blicke wenn ihnen dann mitgeteilt wird, dass der technische Teil mein Part ist, sind immer wieder köstlich.
[besonders oft kommt das in Kontexten mit Leuten vor die sich selbst als emanzipatorisch/feministisch einordnen. auch die sind nicht davor gefeit]
Ich vermute, dass die Unterscheidung zwischen “kein Bock drauf” und “gläsernem Deckel” gar nicht so einfach zu machen ist. Sollte ich mal eine Tochter haben, so dürfte sie natürlich alle vorhandenen Instrumente des Haushalts (und noch weitere) ausprobieren und das lernen, das ihr gefällt. Aber vielleicht ist es schon zu viel, dass dann der Vater Bass spielen würde, was dem Rollenbild entspricht, und eben nicht die Mutter?
(Mutter wäre noch zu finden derzeit, ich habs aber nicht eilig. ;-) Vielleicht sollte ich mich nach einer Schlagzeugerin als Partnerin umsehen. Das macht sich für Basser eh ganz gut. ;-)) )
Ich bin mir nicht sicher, ob Frauenbands das sind, was wir brauchen. Längerfristig wäre ich für einen guten Mix auf der Bühne. Aber wenn es als Gegenbewegung hilft, die Mitte zu erreichen, dann los!
die gläserne decke war ironie.
mädchen und jungen haben vermutlich zu allen zeiten gehört, was sie geschlechtstypisch zu tun und zu lassen haben. wenn einem das nicht passt, nützt es wenig, auf die umwelt zu schimpfen und eine änderung aller andern zu verlangen, sondern man muss sich darüber hinwegsetzen und tun, worauf man lust hat. wer bock auf musikmachen hat, muss sie auch selbst machen.
@bumsfallera: meinst Du das ernst, oder hab ich die Ironietags übersehen?
“weiblich häufig gleichzusetzen ist mit benachteiligt.”
Als ob die männlichen Underdogs des Punk und Rap sofort vom Musikbusiness mit offenen Armen empfange worden wären. Nein, dies geschah erst, als eine breite Reaktion und Nachfrage bestand – sich also ordentlich Kasse damit machen ließ.
Die Burschen haben sich und ihrer Individualität gegen alle Widerstände Gehör verschafft. Mancher, wie z.B. Kurt Cobain ist an der Kommerzialisierung zerbrochen. Daneben gibt es ungezählte Musiker, die den Gesetzen des Marktes unterworfen, ungehört bleiben oder erst posthum Bekanntheit erlangen. Die künstlerische Bedingungslosigkeit eines Nick Drake mit der Konsequenz des Suizides hingegen kann man unter Frauen suchen.